Mauretanien
Blogbeitrag,  Reisen im Sprinter,  Startseite

Mauretanien – eintauchen in eine neue Welt

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.


Wir haben uns gewünscht, auf unseren Reisen, fremde Kulturen kennenzulernen und zu erleben.

Hätten wir vorsichtiger sein sollen, mit unseren Wünschen?


Nach 2 Monaten in Marokko, fühlten wir uns bereit für den nächsten Schritt. Hier in Afrika bekam das Reisen für uns noch einmal einen neuen Charakter. Als Europäer sind wir es nicht mehr gewohnt richtige Grenzen zu passieren, um von einem Land in ein anderes zu wechseln.

Für die Grenzübertritte zwischen Marokko und Mauretanien brauchten wir Zeit … viel Zeit.
Begonnen haben wir mit der Passkontrolle und dort unseren marokkanischen Ausreisestempel bekommen. Weiter ging es zum Autoscanner. Hier haben wir uns geduldig in die Schlange, alter und völlig überladener LKWs, gestellt.
Nachdem unser Kastenwagen diese Prüfung bestanden hatte, haben wir auch für ihn die Ausreisegenehmigung erhalten und durften den Grenzbereich in Richtung Mauretanien verlassen.

Erwartungsvoll und aufgeregt sind wir zwei einhalb Kilometer Schotterpiste durch Niemandsland gerollt und haben uns dabei gefragt, ob wir schon jemals mit dem Auto durch herrenloses Land gefahren sind.

Ein sehr komisches Gefühl.

Auf mauretanischer Seite begrüßte uns ein Grenzübertrittshelfer. Unter Afrikareisenden gern auch Fixer genannt verlangen sie etwas Geld für ihre Dienste, bei den Grenzübertritten behilflich zu sein. Er tat sehr wichtig und stellte sich direkt neben den offiziellen Grenzbeamten. Beide kamen nun auf unser Auto zu und verlangten unsere Pässe. Da der Grenzebeamte keine Uniform trug, kam es erst einmal zu einem kurzen, aber heftigen, „Pass-hin-und-her-Gereiche“ zwischen Robert und den beiden Herren.

Der Beamte machte darauf hin sehr schnell klar wer hier an der Grenze das Sagen hat und unsere Pässe landeten in den richtigen Händen.
Wir hatten beschlossen, die Grenze ohne Hilfe zu passieren und haben den Fixer und seine Dienste freundlich aber bestimmt abgelehnt.
Konnten wir auf marokkanischer Seite noch ein System erkennen, war es hier an der mauretanischen Grenze schon schwieriger.
Unsere erste Anlaufstelle war das Büro für das Visum. Ein kleiner, dunkler Raum im hinteren Teil eines leerstehenden Gebäudes.

Den Raum füllten nicht nur zwei Beamte, mit ihren Schreibtischen und schon etwas älterer Computertechnik sondern auch ein Fixer, mit vier seiner Kunden und zwei große Sofas. Wir wurden freundlich hinein gebeten und aufgefordert auf einem der Sofas Platz zu nehmen. 
Da saßen wir nun und beobachteten die Beamten und ihr Tun. Schauen sie freundlich? Klingt das was sie sagen nett? Denn wir verstanden kein Wort und die arabische Sprachmelodie klang immer noch fremd, in unseren Ohren.

Die Beamten waren sehr freundlich und wir konnten gar nicht ausmachen, wer nervöser war. Wir, weil wir in einer Amtstube saßen wie wir sie in unseren kühnsten Träumen noch nicht erlebt haben oder sie, die immer wieder nervös auf ihre hoffentlich funktionierende Technik schauten, da gerade zwei Europäer vor ihnen saßen.

Robert hat uns anschließend durch alle weiteren Anlaufstellen für Auto und Versicherung zügig durchgekämpft, mobiles Internet und mauretanisches Geld besorgt. Wie im gesamten nordafrikanischen Raum, waren seine französisch Kenntnisse dabei extrem hilfreich.
Am Ende hat er sogar einen anerkennenden Schulterklopfer von einem der Fixer bekommen. 

Nach gut drei einhalb Stunden waren beide Grenzübertritte geschafft und wir haben die ersten Kilometer auf mauretanischem Boden zurückgelegt. 

Mauretanien, das Land mit traumhaften Wüstenlandschaften, großem Fischreichtum und bezaubernden Menschen aber auch der gefährlichsten Mitfahrgelegenheit auf einem Zug sowie den schlechtesten Straßen der Welt.

Mit einem Wüstenanteil von bis zu 80 % gehört Mauretanien zu den ärmsten Ländern Afrikas. Es liegt an der Atlantikküste, wird im Norden von der Westsahara und im Süden vom Senegal begrenzt. Im Landesinneren teilt es sich die Grenze mit Algerien und Mali.

Auf unserem Weg von Marokko nach Mauretanien, haben wir den Nördlichen Wendekreis überquert. Wir waren verblüfft, dass wir es auf unserer Reise in die „50, und was nun?“, tatsächlich schon bis in die Tropenzone geschafft hatten. 

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir mehr als tausend Kilometer Wüste hinter uns und doch fühlte es sich hier wieder anders an. Die Landschaft erschien uns noch karger, der Wind noch stärker und die Sonne noch heißer.

Nah an der Grenze verläuft der längste Zug der Welt. Er ist bis zu zwei einhalb Kilometer lang und pendelt ca. 700 Kilometer vom Landesinneren an den Atlantik. Dabei transportiert er, das im Land abgebaute Eisenerz, zum Exporthafen.

Mauretanien besitzt kein ausgebautes Straßennetz oder Transportsystem. Müssen die Menschen sich selber, Tiere oder Waren transportieren, müssen sie das auf den offenen Wagons des Zuges tun.

Wir haben das fasziniert beobachtet. Es hat uns aber auch die Härte des mauretanischen Lebens gezeigt. Und diese Seite Mauretaniens sollte unser Reisebegleiter bleiben.

Eine der wenigen asphaltierten Straßen ist die Hauptader durch das Land und führt von Nord nach Süd. Sie war für uns und unseren Kastenwagen eine extreme Herausforderung. Auf der vom Wüstensand seitlich angeknabberten und mit riesigen Schlaglöchern durchsetzten Straße, waren wir an vielen Stellen quasi im Schritttempo unterwegs.
Dabei immer auf der Hut vor den uralten und vollkommen überladenen LKWs im Gegenverkehr, die gern einmal die Höhe eines Hauses erreichen und dabei so instabil wie ein Kartenhaus wirken.

Neben den landestypischen kleinen flachen Häusern stehen oft große Zelte. Diese Zelte sind die traditionelle Behausung der hier lebenden Nomaden. Für unsere europäischen Augen sehen sie von außen eher ungewohnt und arm aus. Von innen sind sie aber oft mit bunten Teppichen, Decken und Kissen geschmückt.

Schnell sind wir auf die erste Polizeikontrolle gestoßen. Hier befiel uns nicht nur ein komisches sondern auch ein etwas mulmiges Gefühl. Zu ihrem Schutz gegen den Wind und die Sonne waren die beiden Polizisten in ihren dunkelgrünen Uniformen, zusätzlich mit dunkelgrünen Tüchern vermummt und trugen dazu noch dunkle Sonnenbrillen. 

Aber sie waren sehr freundlich und auch neugierig, da es ja fast keine Touristen in Mauretanien gibt. Auf diese Kontrollen waren wir, mit Kugelschreibern als keine Geschenke und einem Fiche, immer gut vorbereitet. Hiermit meine ich nicht den Fisch als Tier, sondern ein Blatt mit allen Passdaten der Reisenden sowie des Autos.
Es lohnt sich, ein paar Kopien davon an Board zu haben, denn dadurch waren alle unsere Stops gekennzeichnet von freundlichem: Hallo, wohin des Weges und gute Fahrt!

Mauretaniens Norden ist von ausgedehnter Wüstensteppe bedeckt. Hier ist es für die Menschen besonders schwer, von eigener Landwirtschaft zu leben. Fast alle Lebensmittel müssen importiert werden und sind für die Bevölkerung sehr teuer.

Unsere ersten Begegnungen mit den Menschen in Mauretanien waren alle sehr freundlich und uns willkommen heißend. Wir haben aber auch erfahren, dass wir als Touristen Enttäuschung hervorrufen können. Vor allen bei den Kindern war diese Enttäuschung oft besonders groß, wenn wir keine Geschenke für sie hatten oder aber nicht angehalten haben.

Die Kinderarmut war schon in Marokko ein Thema für uns. Und auch hier in Mauretanien haben wir keine, für uns zufriedenstellende, Lösung gefunden. 

Wir waren daher überhaupt nicht erstaunt, dass sich hier unsere Gedanken der Unsicherheit über unsere Zukunft, wieder ihren Raum suchten. Was, wenn unsere Pläne und Vorstellungen sich in Luft auflösen? Gibt es dann einen Ausweg?

Nouakchott ist die Hauptstadt Mauretaniens. Mit ihrer ständig wachsenden Zuwanderung, aus den ländlichen Gebieten, platzt sie aus allen Nähten und lässt uns in ein bisher noch nicht erlebtes Stadtbild eintauchen. Die Stadt ächzt unter der Last, allen hier lebenden Menschen Infrastruktur und Lebensgrundlage zu geben und schafft es leider nicht.

Frisches Wasser, frisches Obst und Gemüse sowie deren Verfügbarkeit sind auch hier ein nicht zu unterschätzendes Thema.

Am Strand von Nouakchott haben wir die Fischer und ihr Treiben im Sonnenaufgang beobachtet. Wir haben über ihre harte Arbeit und ihr karges Leben philosophiert. Für uns versinnbildlichen sie die extreme Armut und den damit verbundenen alltäglichen Überlebenskampf der Menschen in Mauretanien. 

Durch unsere Erlebnisse und Begegnungen bringt uns Mauretanien an unsere emotionalen Grenzen und das, obwohl wir durchaus reiseerfahren sind.Hier erleben wir einen Kulturschock, denken über uns und unsere Werte nach.

Die bei uns beiden entstehende innere Unruhe passt ganz gut in unsere neue Lebensphase. Unsere Entscheidung, mit Anfang 50 eine Auszeit zu nehmen, ist ja auch eine Art Kulturschock ….in dem wir nicht sicher sind, was uns die Zukunft bringt.

Wie sind wir bisher mit dieser inneren Unruhe umgegangen?

Hier haben wir unterschiedliche Modelle, die sich sehr gut ergänzen.

Robert braucht die Emotionalität. Er ergreift die Chance aus dem Bauch heraus. Aber sein Kopf darf ein Veto einlegen, wenn es ihm zu bunt wird.So sprang er z.B. in das Abenteuer Mauretanien

Ich hingegen brauche die Analytik. Für mich ist es wichtig die Dinge gedanklich durchzuspielen. Fragen wie: Was ist das Schlimmste was passieren kann? Habe ich ähnliche Entscheidungen schon einmal getroffen? Was habe ich gemacht und wie hat es sich angefühlt?

Wir haben gelernt unserem eigenen und dem Weg des anderen zu vertrauen und uns immer wieder gegenseitig zu unterstützen. 

Das half uns auch hier, am Strand von Noakchott. Wir blickten zurück auf unsere Reise durch Mauretanien, ein Land das nicht nur durch seine tollen Landschaften sondern vor allem durch seine Menschen tiefsten Eindruck bei uns hinterlassen hat.

Sollten wir also vorsichtiger sein mit unserem Wunsch, fremde Kulturen kennenzulernen und zu erleben? 

Nein. 

Es war eine Reise, wie wir sie emotional noch nicht erlebt haben und gerade deshalb um so mehr schätzen. Wir haben unsere Werte gefestigt und unsere Unsicherheiten beruhigt. Wir mussten einmal mehr raus aus unserem Haus und an unsere Grenzen gehen. 

Und auch dieses mal war es das definitiv wert.

All diese Eindrücke und Gedanken brauchten ausreichend Raum und Zeit.
Um sie zu verarbeiten, haben wir uns einen ganz besonderen Ort gesucht. Der allerdings, sollte uns gleich in die nächsten Erlebnisse und Erfahrungen stürzen.

Aber von diesem und unserem Abenteuer Senegal berichten wir beim nächsten mal.

YouTube


Die mit * gekennzeichnete Links ist ein Affiliate Link. Beim Kauf über diesen Link, kostet euchh der Artikel nicht mehr, wir bekommen eine kleine Provision und du unterstützt damit unseren Kanal. 🙂

Unsere Wasseraufbereitung in Afrika:

* Unser Wasser im Tank haben wir mit „DK-Dox Aktiv Basic“ desinfiziert: https://amzn.to/42uYYAm * Um das Wasser aus dem Tank auch als Trinkwasser zu verwenden, benutzen wir eine GeoPress: https://amzn.to/3nc60u0

4 Comments

  • Doris Keller

    Ich habe auf You Tube euer Film vom Mauretanien gesehen. Mich würde es interessieren, wo der Grenzübergang war von Marokko nach Mauretanien. Wir haben auch schon Ferien in Mauretanien gemacht. Damals gab es ein einziges Reisebüro in Nuakchott. Liebe Grüsse Doris

    • admin

      Mauretanien ist ein wunderbares Land. Wenn ihr 4×4 unterwegs seid, werdet ihr viel Spaß haben.
      Als erste Anlaufstelle auf mauretanischer Seite kann ich die Villa Maguela in Nouadhibou empfehlen. (In iOverlander zu finden)
      Liebe Grüße

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert